Unsere Absolventin Kimi hat vor einigen Jahren ihre Modeausbildung an der Designschule abgeschlossen. Heute lebt die 23-Jährige in Rostock und arbeitet im Tattoo-Studio „Feine Tinte“, nur 10 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, als Tätowiererin in Vollzeit.
Auf Instagram teilt sie ihre Arbeiten unter @kimi.sticht
Der Weg ins Tattoo-Studio war nicht von Anfang an durchgeplant. Zwischen Ausbildung, Gastronomie, Umzug und Selbstständigkeit hat sie Schritt für Schritt ihren eigenen Weg gefunden. Im Interview erzählt sie, wie alles begann und warum Kreativität bis heute ein wichtiger Teil ihres Lebens ist.
Der Anfang
Die Begeisterung für Mode begann bei Kimi nicht durch Trends oder Laufstege, sondern aus einer ganz persönlichen Situation heraus.
„Ich hatte leider nicht das Privileg, in einer wohlhabenden Familie oder sogar in der Mittelklasse aufzuwachsen. Das Geld hat für einfache Sachen wie Urlaub, Führerschein oder sogar neue Klamotten einfach nicht gereicht. So kam ich dazu, meine alten Sachen wieder aufzuwerten und habe schnell meine Liebe zum Nähen entdeckt.“
Als sich die Möglichkeit für ein Praktikum an der Designschule ergab, nutzte sie die Chance.
„Ich habe die Chance in der 10. Klasse ergriffen, mein Praktikum an der Designschule zu machen, und habe mich sofort verliebt! Obwohl ich nur ein paar Stunden in der Nähwerkstatt, im Kunstsaal und im Matheunterricht mitgemacht habe, habe ich sofort gemerkt, wie sehr ich darin aufgegangen bin und wie leicht mir alles fiel, da ich endlich etwas gefunden hatte, wo ich mein kreatives Dasein komplett ausleben konnte.“
Die Zeit an der Designschule
Auch heute denkt unsere Absolventin gerne an ihre Ausbildungszeit zurück.
„Ich hatte damals schon sehr hohe Erwartungen an mich selber, was sehr üblich ist, wenn man endlich etwas gefunden hat, wo man sich geborgen und gesehen fühlt. Trotz der zahlreichen schlaflosen Nächte würde ich die Zeit gegen nichts in der Welt eintauschen.“
Besonders wichtig waren für sie die Menschen, die sie während dieser Zeit um sich hat.
„Ich durfte sehr viele kreative und emphatische Menschen kennenlernen, die mich motiviert haben und anders herum.“
Bis heute sind ihr vor allem die gemeinsamen Stunden in Erinnerung geblieben.
„Vor allem die langen Nächte in der Nähwerkstatt und die Pausen waren sehr prägend. Kurz gesagt: Die Zeit mit anderen Menschen teilen zu können, sich gegenseitig aufzubauen und zu motivieren, hat die Zeit erst so besonders gemacht.“
Was bis heute geblieben ist
Auch wenn heute keine Kleidung mehr entsteht, begleiten unsere Absolventin einige Dinge aus der Ausbildung noch immer durch ihren Arbeitsalltag.
„Ich merke immer wieder, wie kleine Dinge, die ich in der Ausbildung gelernt habe, mir in meinem jetzigen Beruf immer noch helfen.“
Selbst Inhalte aus dem Schnitt-Unterricht nutzt sie bis heute.
„Im Schnitt-Unterricht habe ich gelernt, wie der menschliche Körper aufgebaut ist, wie man ihn am besten betont und wie man Symmetrie am besten anwendet. Ich nutze heute noch täglich mein Maßband, um meine Tattoos auszumessen.“
Doch nicht nur fachlich hat sie etwas aus ihrer Ausbildungszeit mitgenommen.
„Durch die Designschule habe ich gelernt, dass ein kreativer Beruf durchaus möglich ist und nicht nur als Hobby neben einem ‚richtigen Job‘ stattfinden muss. Kunst – egal in welcher Form – wird immer ein großer Teil meines Lebens sein.“
Nach dem Abschluss
Schon während ihrer Ausbildung arbeitete sie nebenbei in der Gastro, um sich finanzieren zu können.
„Seit Ausbildungsbeginn habe ich immer nebenbei in der Gastronomie gearbeitet, um mir meine eigene Wohnung und die Schule finanzieren zu können. Nicht lange nach meinem Abschluss habe ich im Freischütz angefangen und habe mich da so wohlgefühlt, dass ich noch ein weiteres Jahr in Schwerin geblieben bin.“
Parallel dazu nahm das Tätowieren immer mehr Raum in ihrem Leben ein.
„Nebenbei habe ich das Tätowieren ein wenig ernster genommen. Als für mich klar war, dass das für mich das Richtige ist, habe ich mich entschlossen, nach Rostock zu ziehen und mich Vollzeit darauf zu konzentrieren.“
Der Abschied von Schwerin fiel ihr dabei nicht leicht.
„Obwohl mir der Abschied von Schwerin sehr schwer gefallen ist, bin ich sehr froh, den Schritt gewagt zu haben.“
Warum Tattoos?
„Für mich ist das Tätowieren so viel mehr als nur ein Handwerk. Es gibt Menschen die Möglichkeit, über ihren eigenen Körper bestimmen zu können, verleiht Selbstbewusstsein, hilft Traumata zu überwinden, Meilensteine anzuerkennen oder seine Liebsten zu verewigen.“
Und manchmal braucht es dafür aber gar keine große Geschichte: „Oder man hat einfach nur ein schönes Tattoo, das einen glücklich macht, wenn man es anschaut.“
Der eigene Stil
Auf die Frage, wie sie ihren Stil beschreiben würde, antwortet unsere Absolventin mit nur einem Wort: „Menschlich.“
Dahinter steckt eine klare Haltung.
„Ich habe meinen Stil spezifisch darauf aufgebaut, meinem Perfektionismus entgegenzuwirken. Ich liebe es, meinen Werken etwas Textur zu verleihen, um der Imperfektion die Anerkennung zu geben, die sie verdient hat.“
Besonders schätzt sie dabei das Vertrauen ihrer Kund:innen.
„Ich freue mich jedes Mal aufs Neue, wenn jemandem meine Kunst gefällt und mir das Vertrauen schenkt, sie auf deren Körper zu verewigen.“
Neustart in Rostock
„In eine fremde Stadt zu ziehen, wo keiner dich kennt, ist natürlich erstmal eine Herausforderung.“
Anfangs war sich die Tätowiererin deshalb noch nicht sicher, ob sie sich langfristig allein auf ihren kreativen Beruf verlassen kann. Die anfänglichen Zweifel sind mittlerweile verflogen.
„Ich habe mich direkt bei einigen Cafés und Kneipen beworben, als ich noch etwas unsicher war, ob das Tätowieren fürs Leben reicht….Ich habe ein Probearbeiten gehabt und musste direkt wieder kündigen, da das Tätowieren so gut lief! Es kommen nicht nur viele treue Kund:innen aus Schwerin immer noch zu mir, viele reisen auch aus Hamburg, Kiel, Celle und vielem mehr für mich nach Rostock.“
Darauf bin ich stolz
Eine Sache ist für unsere Absolventin bis heute ganz besonders schön:
„Ich freue mich immer wieder wie ein kleines Kind, wenn mir jemand sagt, dass er meine Tattoos auf der Straße erkennt. Ich habe mich in den letzten Jahren so sehr bemüht, einen Style zu erschaffen, den nicht jeder hat. Diese Bestätigung immer wieder zu bekommen, fühlt sich unbeschreiblich gut an!“
Kimis Tipp
Zum Abschluss hat Kimi noch einen Rat für alle, die selbst einen kreativen Weg einschlagen möchten:
„Seid nicht zu hart zu euch selbst, feiert die kleinen Erfolge und Ziele, bevor ihr euch gleich wieder ein neues setzt! Eine Auszeit ist keine Belohnung für eine gemeisterte Aufgabe, sondern ein wichtiger Teil des Prozesses.“
Und würde sie ihren Weg heute noch einmal genauso gehen?
„Ja, 100 %! Am Ende erinnert man sich nicht an die Fehler zurück, die man gemacht hat, sondern daran, was man daraus gelernt hat und wie man sich dadurch entwickelt hat.“
Danke!
Vielen Dank an Kimi für die ehrlichen Einblicke aus ihrem Weg im Modedesign! 🧡
Wir freuen uns riesig, deinen weiteren Weg verfolgen zu dürfen und wünschen dir für dein Tattoo-Business in Rostock weiterhin ganz viel Erfolg, tolle Projekte und viele kreative Ideen!
Kimis Geschichte zeigt, dass kreative Wege ganz unterschiedlich aussehen können. Von der Modeausbildung über die Gastro bis hin zum eigenen Tattoo-Business in Rostock hat sie Schritt für Schritt ihren eigenen Weg gefunden.
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