Jetzt wird’s grafisch: Im Gespräch mit Herrn Böhme

Grafikdesign an der Designschule Schwerin – das bedeutet: Ideen entwickeln, Layouts gestalten, Druck erleben. Und mittendrin:
Herr Böhme, Kopf des Fachbereichs Grafik, Chef in der Druckwerkstatt. Er ist bekannt für sein Markenzeichen: Rot – und dafür, dass er die Dinge nicht oberflächlich betrachtet, sondern immer tiefer gräbt.

Im Gespräch wird schnell klar: Für ihn ist Design mehr als Handwerk. Es ist Haltung, Prozess, manchmal auch Widerstand. Und trotzdem bleibt er ganz nah an den Schüler:innen – mit Humor, Schärfe und einer ordentlichen Portion Ehrlichkeit.

Wir haben Herrn Böhme zum Interview getroffen – über seine Arbeit, die Schüler:innen, den Pendler-Alltag und sogar über perfekte Königsberger Klopse.

Viel Spaß beim Lesen! 🧡

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Magst du dich kurz vorstellen? Wer bist du und was machst du hier an der Designschule?
„Ich komme aus der Druckwerkstatt, bin dort aufgewachsen: Reprokamera, Chromgelatine, Halbtonraster. Heute schleife ich an Daten – Text, Ton, Bild – bis sie anfangen zu knirschen. Instagram ist mein Skizzenbuch, PHP mein Stift. Ich arbeite mit Übersetzungsfehlern, Fragmenten, Maschinenpoesie.
Meine Bilder entstehen zwischen Interrupt und Interferenz. Was sich nicht zeigen will, interessiert mich. Was sich zeigt, ist oft schon vorbei. Ich arbeite mit Bildern. Nicht, weil ich ihnen traue – im Gegenteil. Ich traue ihnen nichts zu. Keine Wahrheit, keine Geschichte. Wenn sie Glück haben, einen Moment. Sie kommen wie Pilze. Ohne Ankündigung, ohne Erklärung. Manchmal prachtvoll, manchmal tödlich. Ich sehe sie, bevor sie da sind. Ich weiß nur nie, warum. In der Kindheit lag ich im Heidekraut. Kolkwitz, Lungenheilstätte. Meine Oma sammelte Beeren. Ich schaute den Pilzen beim Wachsen zu. Heute tue ich dasselbe mit Bildern. Nur komplexer, lauter, verzweifelter. Ich zerlege Pixel, dekodiere Ton, versehe Text mit Störungen. Ich entwickle, fixiere, verwerfe. Ich schreibe Algorithmen, die sich selbst nicht trauen. Nichts bleibt. Alles wird neu und falsch und schön. Was sichtbar ist, ist das Problem. Was wirkt, ist meist nicht zu sehen. Und wenn jemand fragt, was das alles soll – sage ich: Vielleicht ist es einfach wie bei Pilzen. Sie sind da. Und wir hatten nichts damit zu tun.“

Head of Grafikdesign – was bedeutet das für deine Arbeit und deinen Alltag?
„Ich kam nicht mit Ansage, sondern mittendrin gerufen – wie in ein laufendes Gespräch, in dem die Sätze schon zu Ende gedacht waren. Die Frage ist: Will ich sie so stehen lassen? Mein Alltag: Zuhören, wahrnehmen, beobachten – vor allem, wo die Spannungen liegen. Zwischen den Interessen, Pädagogik und Geschäft, Ideal und Etat. Zwischen Anspruch und Zeitfenster. Fachbereichsleitung heißt für mich: nicht den Ton angeben – aber den Klang mitprägen, nicht das System kippen – aber es kippsicher hinterfragen. Ich bin kein Verwalter von Lehrplänen. Mich betrifft die Suche von Möglichkeitsräumen.“

Wie bist du zur Designschule Schwerin gekommen?
„Ich brauchte mal wieder schnelles Geld für irgendein fixes Projekt.“

Viele Dozent:innen pendeln – wie ist das bei dir?
„Da bin ich wie alle DozentInnen, die gerne auf den Bahnsteigen der DB rumlungern. Da erkennt man die wahren Genießer. Verspätung aus vorheriger Fahrt. Ein Zugteil hat sich verirrt. Ich könnte niemals anders mehr. Laßt mich pendeln.“

Was schätzt du besonders an der Arbeit mit unseren Schüler:innen?
„Dass sie echt ist. Ungefiltert. Widerständig. Ich mag das Ungeplante, das Kippen im Prozess. Wenn aus Unsicherheit Haltung wird. Wenn jemand sich traut, eigen zu sehen – nicht nur zu machen.
Ich gebe Raum, nicht Richtung. Fordere Präsenz, nicht Perfektion. Lehre heißt: gemeinsam denken. Und aushalten, wenn’s knirscht. Sie ist Beziehung, Prozess, ein gemeinsames Ringen um Bedeutung.“

Welche Fähigkeiten sollten Schüler:innen mitbringen, wenn sie Grafikdesign lernen wollen?
Szene: Aufnahmegespräch Grafikdesign.
Ich: Warum hier?
Schüler:in: Ich bin kreativ. Ich will gestalten.
Ich: Und was heißt das? Womit?
Schüler:in: Na, schöne Sachen machen. (Pause) Na… mit Ideen.
Ich: Gut. Welche?
Schüler:in: Ich… hab viele.
Ich: Alle haben viele. Die meisten sind Mist. Was tust du, wenn nichts funktioniert?
Schüler:in: Weitermachen?
Ich: Falsch. Erst mal stehenbleiben. Beobachten. Denken. Design ist kein Durchwursteln.
Schüler:in: Und wenn ich keine Idee hab?
Ich: Willkommen. Jetzt wird’s interessant.“

Angenommen, du wärst kein Grafiker geworden – was würdest du heute machen?
„Professionell Gräber schaufeln und schließen. In die Pilze gehen. Vielleicht Mathebücher sortieren, die ich nie gelesen hab. Irgendwas Echtes. Mit Dreck. Mit Gewicht. Ohne Gelaber. Sicher nichts mit PowerPoint. Sicher nichts, wo man den ganzen Tag so tut, als hätte man die geilsten Ideen.“

Und abseits von Grafik – was machst du in deiner Freizeit?
„Ich öffne einen Texteditor, um Worte zu schreiben, und denke darüber nach, wie viel Text ich bereits in den Notizen habe. Ich habe keine Hobbys. Ich zersäge Konzepte und … wenn’s gut läuft: Klopse. Königsberger. Aber richtig. Kalb, Sardellen, kein Hackfleisch-Ramsch. Sud aus Knochen, Kapern erst am Ende. Alles mit Präzision, Lorbeer, Piment, Nelken, Muskat, Zitrone, Weißwein ohne Show. Wer Kapern auslässt, lässt auch Kompositionen kippen. Wer Sardellen scheut, sollte keine Bilder in die Welt senden.“

Wer Herrn Böhme zuhört, merkt: Seine Antworten sind keine Lehrbuchsätze, sondern Bilder, Prozesse und manchmal auch Provokationen. Grafikdesign ist für ihn kein glattes Produkt – sondern ein Ringen um Haltung, Bedeutung und echte Momente.

Und es geht noch weiter: Auf Instagram haben wir Herrn Böhme zum Quick-Interview geschnappt – plus jede Menge Bilder, die du hier im Blog nicht findest. Vorbeischauen lohnt sich 👉 einfach HIER klicken!

Du interessierst dich für eine Ausbildung im Grafikdesign? ✨ An der Designschule Schwerin lernst du alles, was du für deinen Weg als Grafikdesigner:in brauchst: von Layout über Typografie bis hin zu Print- und Digitalprojekten. Kleine Klassen, moderne Werkstätten und persönliche Betreuung sorgen dafür, dass du deine Kreativität voll entfalten kannst.

Vielleicht sitzt auch du schon bald mit Herrn Böhme in der Druckwerkstatt – und startest deine eigene Karriere im Grafikdesign.

Und bis dahin: STAY CREATIVE! 🧡

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